Freitag, 16. Februar 2018

Rezension zu "Die andere Schwester" von Kristin Hannah

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Vergangenheit und Gegenwart…

In ihrer Kindheit waren die beiden Schwestern Meghann und Claire unzertrennlich, denn sie hatten es nicht immer leicht. Bis plötzlich alles anders wurde. Heute, viele Jahre später haben die beiden kaum Kontakt. Doch nun möchte die 35-jährige Claire heiraten – einen Mann, den sie erst seit kurzem kennt. Doch sie ist fest davon überzeugt, dass er der Richtige ist. Meghann ist alamiert – sie möchte ihre jüngere Schwester unbedingt vor einer Enttäuschung bewahren, denn diese hat sie selbst schon zu oft erlebt. Doch plötzlich lernt sie selbst jemanden kennen, bei  dem sie sich vorstellen könnte, ihn in ihr sonst so einsames Leben zu lassen.
Und dann gerät ihr Leben von einem auf den anderen Tag aus den Fugen – etwas dramatisches bringt  die beiden Schwestern an einen Punkt, an dem sie sich ihrer schweren Vergangenheit stellen müssen. Werden sie die schweren Hürden überwinden können?


„Ihre Vergangenheit war keine Ansammlung von Erinnerungen, die aufgearbeitet werden konnten. Sie war wie ein übergroßer Samsonite-Koffer mit kaputten Rädern. Das hatte Meghann schon vor langer Zeit begriffen. Sie konnte ihn nur hinter sich herschleifen.“  – Seite 14, eBook


Nach ihrem berührenden Buch Die Nachtigall war ich sehr gespannt auf diesen Roman von Kristin Hannah. Hier erzählt sie die Geschichte von zwei Schwestern, die sich in der Kindheit sehr nahestanden, heute aber kaum noch Kontakt haben. Ihre Leben könnten unterschiedlicher nicht sein: Claire lebt mit ihrer kleinen Tochter bei ihrem Vater und verwaltet mit ihm ein kleines Camping-Resort. Meghann hingegen wohnt mitten in der Stadt und ist erfolgreiche Scheidungsanwältin. Doch als diese erfährt, das Claire Hals über Kopf heiraten will, überwindet sie sich und besucht sie. Dieser Besuch entwickelt sich ganz anders als erwartet und stellt die beiden ungleichen Schwestern vor eine schwierige Aufgabe…
Die Geschichte wird aus drei Blickwinkeln erzählt: Neben Claire und Meghann gibt es noch eine weitere Person, die genau wie die Schwestern schwere Zeiten durchmachen musste. Anfangs tauchen viele Fragen auf, aber nach und nach erfährt man mehr über die Charaktere und deren Familien, manches ist oft sehr tragisch. Claire ist ein sehr angenehmer Charakter, mit Meghann hingegen konnte ich mich zuerst gar nicht anfreunden. Doch nach einiger Zeit habe ich gemerkt, dass alles gut zueinander passt – vorallem, wenn man langsam immer mehr von den Hintergründen erfährt. Später gibt es dann einen dramatischen Einschnitt, der alles verändert…
Ich muss zugeben, dass es ein paar Seiten gedauert hat, bis mich das Buch gepackt hat. Der Anfang ist etwas zäh – jedoch  wandelt sich das in der zweiten Hälfte. Von da an konnte ich das Buch nur noch schwer aus der Hand legen.
Das Cover gefällt mir unheimlich gut – es ist farblich im Stil von „Die Nachtigall“ gehalten – sehr schön.


„Hinter ihr betrat Meghann das Podest. Da waren sie nun, Seite an Seite. Zwei Frauen, die sich als Kinder näherstanden als Schwestern und einander jetzt unendlich fern waren.“ – Seite 164, eBook


Mein Fazit: Ein schöner emotionaler Roman, der von zwei ungleichen Schwestern erzählt. Die Geschichte entwickelt sich langsam, nach und nach werden Geheimnisse gelüftet, die manchmal mehr als traurig sind. Der Schreibstil ist angenehm, die Charaktere entwickeln sich gut. Nur den Anfang fand ich etwas zäh, es hat eine Weile gedauert, bis mich das Buch packen konnte – doch das ist dann wirklich gelungen und ich war von den verschiedenen Wendungen überrascht. Ein lesenswertes Buch!

Meine Bewertung: 




Titel: Die andere Schwester

Autorin: Kristin Hannah
Genre: Roman / Gegenwartsliteratur
Seitenanzahl: 528
Verlag: Aufbau

Weitere Bücher von Kristin Hannah:
Die Nachtigall




Vielen Dank an den Aufbau-Verlag und Netgalley für das Rezensionsexemplar! :)

Dienstag, 13. Februar 2018

Rezension zu "Schräge Typen" von Tom Hanks

Zum Buch



Stories aus der Feder von Schauspieler Tom Hanks

Tom Hanks – bekannt aus Filmen wie Forrest Gump, Philadelphia, Cast Away oder E-Mail für Dich - ist ein großartiger Schauspieler. In seinen Rollen verkörpert er die verschiedensten Charaktere auf eine besondere und mitreißende Weise. Mit Schräge Typen hat er nun eine Storysammlung veröffentlicht, die genau das enthält: Verschiedene Charaktere, auf besondere Weise einzigartig und manchmal auch etwas schräg. Jede Kurzgeschichte hat einen anderen Mittelpunkt, doch etwas haben sie alle gemeinsam – sie sind sehr gut geschrieben, schön ausgearbeitet und jede enthält ein ganz bestimmtes Detail…




Bobs Schreibmaschine war fast so groß wie das Radio seiner Großmutter, eine metallende schwarze Antiquität, die gut in diese Wohnung voller alter, seltsamer Dinge passte. Es war eine Royal, mit Glasteilen an ihrer Seite wie Opernfenster für jeden Mausezahn, der in ihr Quartier beziehen mochte.

„Funktioniert sie noch?“, fragte Sue.

„Es ist eine Schreibmachine, Kind. Ein Farbband, etwas Öl, Papier und glückliche Finger, mehr ist nicht nötig.“ – (aus „Wer ist wer?“)  Seite 121, eBook


Als ich gelesen habe, das Tom Hanks ein Buch veröffentlicht, war meine Neugier geweckt: Er ist ein sehr guter Schauspieler – kann er auch ebenso gut schreiben? Dieses Buch hat mich positiv überrascht. Die verschiedenen Geschichten sind toll ausgearbeitet, in jede einzelne taucht man sofort ein und bekommt einen detaillierten Einblick in die Story. Neben vielen interessanten Charakteren gibt es ein ganz besonderes Detail: Wie bekannt geworden ist, ist Tom Hanks ein großer Schreibmaschinen-Fan – und so hat er in jede Geschichte eine Schreibmaschine eingebaut. Mal wird sie nur nebenbei erwähnt, mal steht sie im Vordergrund – wie bespielsweise in der Geschichte Das sind die Betrachtungen meines Herzens, die mit zu meinen persönlichen Favoriten gehört. Am Anfang einer jeden Geschichte ist ein Schreibmaschinenmodell abgebildet, deren Bilder auch in der eBook-Version unheimlich gut zur Geltung kommen. Was die einzelnen Geschichten genau erzählen – lasst euch überraschen! Die meisten haben mir sehr gut gefallen, bei einigen wenigen hätte ich mir ein etwas runderes Ende gewünscht, einige Fragen bleiben offen.
Das Cover ist toll gewählt – hellbau und schlicht mit Schreibmaschinentasten, in denen Titel und Autorenname stehen.


„Die Schreibmaschine musste gesäubert und geölt werden, was, wie sie annahm, etwa fünfundzwanzig Dollar kosten würde. Aber sie sann über ein größeres Rätsel nach, eines, dem sich alle gegenübersehen, die im dritten Jahrtausend eine Schreibmaschine kaufen: Was ist ihr Zweck?“ – (aus „Das sind die Betrachtungen meines Herzens“) Seite 154, eBook


Mein Fazit: Eine wirklich tolle Kurzgeschichensammlung, mit der Tom Hanks überrascht! Die Stories erzählen von besonderen Charakteren, die alle sehr gut ausgearbeitet sind. Jede Geschichte hat eine andere Facette: Mal dramatisch, mal traurig und mal einfach unterhaltsam – jede packt einen sofort und es macht Spaß, in so viele verschiedene Situationen einzutauchen. Bis auf wenige Punkte hat mir diese Storysammlung sehr gut gefallen und kann sie jedem ans Herz legen – sie überrascht!! Ich vergebe 4,5 Sterne hierfür. 

Meine Bewertung: 



Titel: Schräge Typen
Autor: Tom Hanks
Genre: Kurzgeschichten
Seitenanzahl: 352
Verlag: Piper

Hier findet ihr noch den Buchtrailer zu Uncommon Type:




Vielen Dank an den Piper-Verlag  und Netgalley für das Rezensionsexemplar! :)

Gemeinsam Lesen #143

Die Aktion findet ihr jeden Dienstag bei Schlunzen-Bücher.


1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

Ich lese gerade "Schräge Typen" von Tom Hanks und bin auf Seite 186 von 239 des eBooks.



2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?
Zum Buch

"Bert sah die riesige Kugel und den daneben stehenden Turm, hell und weiß vor dem Morgenhimmel."


3. Was willst du unbedingt zu deinem Buch loswerden?

Ich mag Tom Hanks als Schauspieler sehr gern und war daher sehr gespannt, als bekannt wurde, dass er ein Buch veröffentlichen wird. Und ich bin bisher positiv überrascht. "Schräge Typen" ist eine Kurzgeschichtensammlung, in der neben den besonderen Charakteren auch noch ein ganz spezielles Detail auftaucht: Schreibmaschinen. Mal nebenher erwähnt und mal im Vordergrund. Dieses gefällt mir alles sehr gut.



4.Verständnis oder wirres Kopfschütteln? Wie gehen Freunde, Familie und Bekannte mit deiner Lesesucht um?

Leider eher mit Kopfschütteln. Wenn ich sage, dass ich im letzten Jahr über 100 Bücher gelesen habe, bekomme ich Antworten wie: "Hast du nichts besseres zu tun?" Das ärgert mich sehr, denn Lesen ist genau so ein Hobby wie TV schauen oder alles andere. Und ich bin glücklich damit. Man taucht in so viele tolle Geschichten ein und lernt so viele Orte kennen. Denn wer, außer uns Leser, kann schon sagen, das er bereits unzählige Orte auf der ganzen Welt besucht hat? :) 


Sonntag, 11. Februar 2018

Rezension zu "Kleine große Schritte" von Jodi Picoult

Zum Buch


Der Kampf um Gerechtigkeit

Ruth Jefferson arbeitet seit zwanzig Jahren im Mercy-West Haven Hospital in Connecticut und ist eine erfahrene Hebamme und Säuglingsschwester. Jeden Tag hilft sie Babys auf die Welt und kümmert sich liebevoll um Mutter und Kind. Doch eines Morgens ist plötzlich alles anders: Als Ruth ein Neugeborenes versorgen will, wird ihr das von der Klinikleitung untersagt – die Eltern wollen nicht, dass eine Afroamerikanerin ihr Kind berührt. Einige Zeit später ist sie durch Zufall allein mit dem Kind, das plötzlich zum Notfall wird – doch jede Hilfe kommt zu spät: Der Junge verstirbt. Voller Wut beschuldigt der Vater Ruth – sie sei Schuld an dessen Tod und verklagt sie. Zusammen mit einem nervenaufreibenen Verfahren beginnt gleichzeitig eine Hetzjagd und macht eines wieder ganz deutlich: Der unterschwellige, alltägliche Rassismus, den es leider nach wie vor gibt…


„Aber ich wurde an jenem Tag Zeugin eines viel größeren Wunders. Als Christina meine Hand hielt und Ms. Mina die Hand meiner Mutter hielt, gab es einen Moment – einen Herzschlag, einen Atemzug lang -, in dem alle Unterschiede in Ausbildung, Vermögen und Hautfarbe verpufften wie Luftspiegelungen in der Wüste. Wo alle gleich waren und es nur eine Frau gab, die einer anderen half.“ – Seite 12, eBook


Dieses Buch gehört mit zu den aufwühlensten, die ich in der letzten Zeit gelesen habe. Jodi Picoult spricht hier ein Thema an, das nach wie vor aktuell ist: Rassismus. Hier geht es um die Hebamme Ruth Jefferson, die aufgrund ihrer Hautfarbe schon ein Leben lang mit Vorurteilen zu kämpfen hat. Nun wird ihr nach zwanzig Jahren als Hebamme vorgeworfen, Schuld an dem Tod eines Babys zu sein – die Eltern des Kindes gehören einer rechtsradikalen Gruppierung an. Doch Ruth setzt sich zur Wehr und hofft auf Gegerchtigkeit…
Das Buch ist aus drei Blickwinkeln geschrieben: Aus Sicht von Ruth Jefferson, ihrer Anwältin Kennedy McQuarrie und Turk Bauer, der Vater des verstorbenen Kindes. Alles aus der Ich-Perspektive der jeweiligen Person betrachtet, bekommt man einen besonders detaillierten, nahen und manchmal erschütternden Einblick in deren so unterschiedliche Leben. Es gibt immer wieder Rückblicke in die Vergangenheit: Bei Ruth wird klar, wie sie stets mit Vorurteilen kämpfen musste – es ist sehr traurig, wie sie oftmals behandelt wurde/wird. Turk Bauers Abschnitte haben mich sehr schockiert – allein sein Denken und Handeln haben mich zutiefst erschüttert. Jodi Picoult beschönigt in diesem Roman nichts – der Schreibstil ist klar, direkt und schonungslos.
Leider gibt es nach dem ersten starken Drittel eine kleine Durststrecke, alles zieht sich etwas in die Länge. Doch im letzten Drittel hat mich das Buch von Neuem gepackt, denn hier findet der Prozess statt, der unheimlich spannend zu verfolgen ist. Und man stellt sich die ganze Zeit die Frage: Wie geht es aus? Und gerade hier passiert etwas, mit dem man so nie gerechnet hat…
Sehr interessant und lesenswert ist hier auch das Nachwort, in dem die Autorin beschreibt, wie dieser Roman entstanden ist und berichtet von ihrer Recherche.


Ich schlinge die Arme um seine Taille und halte ihn fest, presse mein Gesicht an seine Schulter, damit er die Tränen in meinen Augen nicht sieht.

„Wofür ist das?“

„Weil“, murmele ich, „durch dich die Welt zu einem besseren Ort wird.“ – Seite 133, eBook


Mein Fazit: Kleine große Schritte war mein erstes Buch von Jodi Picoult und wird nicht mein letztes sein. Es ist ein sehr wichtiges Buch, das sich mit einem ernsten Thema auseinandersetzt. Es ist aufwühlend, ergreifend und hat mit Ruth Jefferson eine starke Hauptfigur. Der Schreibstil ist klar, flüssig und sehr direkt. Bis auf kleinere Längen im Mittelteil ist dieses Buch sehr gelungen.

Meine Bewertung: 




Titel: Kleine große Schritte
Autorin: Jodi Picoult
Genre: Roman / Drama
Seitenanzahl: 592
Verlag: C Bertelsmann

Weitere Rezensionen:
Irve liest 


Vielen Dank an das Bloggerportal und C. Bertelsmann für das Rezensionsexemplar! :)